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Warum wir oft schweigen, obwohl wir etwas sagen möchten - und was unser inneres Kind damit zu tun hat.

  • vor 15 Stunden
  • 5 Min. Lesezeit
Was steckt wirklich hinter unseren emotionalen Reaktionen?
Lifecoach Anita Geißler lehnt an einem Sofa mit geschlossenen Augen während Achtsamkeitsübung in ihrem Mindset Coaching in Graz.

Wenn man mich von außen sieht, glauben viele, ich sage immer, was ich denke. Dass ich zu mir stehe und stark bin. Eine Macherin halt.


Und ja, das bin ich auch.

 

In letzter Zeit habe ich ein paar Mal sehr heftig reagiert. Mit viel Wut – stärker, als ich wollte. Ich weiß, dass ich impulsiv sein kann. Ich habe diesem Anteil von mir sogar einen Namen gegeben. Es ist für mich der GRISU (Ja der kleine Drache aus dem Fernseher, der Feuerwehrmann werden wollte – falls die Serie noch jemand kennt… ist ja schon ein wenig her.)

Aber danach habe ich mich gefragt: Warum war das diesmal so extrem?

 

Bis ich verstanden habe: Da hat nicht nur die erwachsene Anita reagiert.

Aus mir hat mein inneres Kind gesprochen.


Und plötzlich ergab meine Reaktion Sinn.




Der Anteil, der still sein musste und nie seine ehrliche Meinung sagen konnte.

Ich beschäftige mich schon lange mit mir selbst. Auch mit der Arbeit mit dem inneren Kind. Und trotzdem habe ich mit Unterstützung wieder etwas entdeckt, das ich so noch nicht sehen konnte.


Als Kind wurde mir immer wieder signalisiert, ruhig zu sein.

Wenn Erwachsene sprechen, redet man nicht rein.

Ich wusste genau, wann ich grüßen sollte.

Und ich wusste auch, dass Dinge von zuhause nicht weitererzählt werden.

 

Also habe ich gelernt, meine Umgebung genau zu lesen.

Wo darf ich etwas sagen? Wo besser nicht?

 

Ich war kein ruhiges Kind, aber ich wurde ruhig, wenn es notwendig war. Und genau daraus ist ein Anteil entstanden, der bis heute in mir lebt: Der Anteil, der lieber nichts sagt. Der seine ehrliche Meinung für sich behält – der gezwungen wird zu lügen, statt ehrlich zu sein. Manchmal lügen wir Menschen einfach anderen knallhart ins Gesicht. Das tun wir nicht mit Absicht, sondern aus Selbstschutz. Um Andere nicht zu verletzen. Um keinen Streit in der Partnerschaft anzuzetteln. Um Mama nicht zu enttäuschen. Um die Fassade, die alle an uns so lieben aufrecht zu erhalten. Den Schein zu wahren.

 

Und ich frage dich jetzt nicht: Kennst du das auch? Du kennst es. Ob Familie, der Chef oder die Kundin. Notlügen sind die Überlebensstrategie der Erwachsenen.



Zwischen lieber still sein oder gnadenlos drüberfahren.

Heute gibt es Situationen, in denen ich eigentlich etwas sagen möchte.

Aber ich kenne nur zwei Möglichkeiten:

  • still sein (und es über mich ergehen lassen) ODER

  • laut werden (und für mich selbst einstehen).

Symbol einer Feder für Freiheit nach Coaching mit Anita Geißler in graz
Und es scheint als gäbe es nichts außer FLUCHT oder KAMPF? Doch gibt es - STARRE. Na das sind mal tolle Überlebensstrategien in der heutigen Zeit...

 

Die vielen Nuancen dazwischen lerne ich gerade.

Wie spreche ich etwas an, ohne drüberzufahren und jemanden anzuschreien?

Wie setze ich eine Grenze, ohne herzlos/arrogant zu wirken?

Wie sage ich, was ICH WILL, ohne dass es sich komplett bescheuert für mich anfühlt?

 

 

Erkenntnis bedeutet nicht, dass es sofort erledigt ist.

Und nun möchte man glauben, jetzt, wo ich weiß, woher es kommt, ist es automatisch gelöst. Keine Innere-Kind-Arbeit mehr notwendig. Nie wieder Mentaltraining. Mindset stärken? Braucht keiner… Tja, schön wär‘s. Das ist definitiv nicht so.

Ich beginne sinngemäß gerade zu laufen und das ist ungewohnt für mich und mein System.


Eine Sache ist mir jetzt extrem bewusst geworden. Ich werde beschützt. Von wem? Von mir.

 


Anita Geißler bei Achtsamkeitsübung in ihrer Praxis für Life Coaching und Mindset Stärkung für mehr Selbstbewusstsein und SElbstvertrauen in Graz.

Das innere Kind und seine Schutzstrategie: "den Mund halten".

Heute weiß ich, dass dieses Stillsein keine zufällige Eigenschaft von mir ist. Es ist nach wie vor eine Schutzstrategie.

 

Als Kind spüren wir sehr genau, was sicher ist und was nicht. Also passen wir uns an. Weil keiner da ist, der uns beschützt.

Für mich bedeutete das irgendwann:

Lieber nichts sagen, bevor es falsch ist.

Lieber ruhig bleiben, bevor ich auffalle.Lieber beobachten, bevor ich etwas ausspreche und damit anecke.

 

So lernte mein System, was leichter ist und dadurch auch sicherer.

 

Die Lösung scheint simpel zu sein, den Anteil einfach los zu werden. Allerdings dürfen wir nicht vergessen, dass jede Schutzstrategie auch ihre guten Seiten hat.

 

Konkret bei mir heißt das:

Ich konnte Stimmungen schnell erfassen. Zwischen den Zeilen lesen.Mich einfügen, wenn es notwendig war.

Diese Fähigkeiten begleiten mich bis heute, auch in meiner Arbeit. Sie hilfen mir, Menschen fein wahrzunehmen.

 

Im Moment beobachte ich mich viel.

Ich merke schneller, wann dieser Beschützeranteil auftaucht. Wann er mich still werden lässt. Dann versuche ich die erwachsene Anita sprechen zu lassen. Und das ist manchmal ganz schön besch***, weil mir einfach die Worte dafür fehlen.

 

Und dann merke ich da auch eine Traurigkeit in mir. Ein Teil von mir hätte sich damals einfach jemanden gewünscht, der sagt: Sag deine ehrliche Meinung. Du bist in Sicherheit, es kann dir nichts passieren, egal welche Meinung du hast oder was du sagst. Du bist liebenswert und wirst geliebt.

  

Was wirklich hinter starken Reaktionen steckt.

Anita Geißler wirft Kissen in Höhe nach erfolgreicher systemischer Aufstellung mit Klientin, die in ihrer Gesprächstherapie im Mindset coaching mit einer Aufstellung Blockade gelöst hat und mehr selbstvertrauen entwickelt hat.

Wir reagieren deshalb manchmal heftiger, als wir es selbst von uns kennen, weil nicht nur die erwachsene Frau in uns spricht. Auch das Kind, das wir einmal waren.

Wir werden älter. Aber nicht alles in uns wird automatisch erwachsen.

 

Die Anteile in uns wollen uns schützen. Sie zeigen sich in Form von Triggern.

 

Ich gebe dir ein Beispiel aus dem Alltag:

Stell dir vor, eine Kollegin arbeitet chaotisch.

Wenn dich das kalt lässt – ist es egal.

 

Aber wenn du merkst, dass es dich innerlich aufregt, du vielleicht über sie urteilst, oder ein anderes Gefühl sich zeigt, dann lohnt sich ein zweiter Blick.

 

Und jetzt kommt der wichtige Teil: Nicht auf sie schauen. Auf dich!

 




Denn es gibt zwei Möglichkeiten:

Entweder sie zeigt dir etwas, das du selbst auch tust. Also konkret, wo bist du manchmal chaotisch?

Oder sie zeigt dir genau das Gegenteil von dir. Hier bist du auf keinen Fall so wie sie.

 

Bei mir ist es eher das Zweite. In diesem konkreten Beispiel: Chaos macht etwas mit mir. Ich brauche Ordnung und Struktur, weil ich dort Sicherheit finde. Vielleicht übertreibe ich es manchmal mit zu viel Kontrolle, und daher fällt es mir bei meiner Kollegin auf. Und genau das ist dann ein Trigger.



Aber was ist ein Trigger?

Ein Trigger ist ein Impuls, der automatisch in dir ausgelöst wird. Etwas trifft dich stärker, als es zur Situation passt. Oft geht es dabei gar nicht um den Moment oder die andere Person. Es ist ein Augenblick, in dem deine Reaktion größer ist als der Anlass.

Trigger sind Hinweise darauf, dass etwas in dir noch Aufmerksamkeit braucht, weil du aus einem inneren Anteil heraus reagierst.

Warum ich dir das erzähle...

Weil wir im Erwachsenenalter oft glauben, wir reagieren aus dem Hier und Jetzt.

Dabei reagiert manchmal das Kind in uns/ für uns. Nur weil wir erwachsen sind, verschwinden diese Anteile nicht. Sie bleiben und sie wollen gesehen werden.

 

Und genau deshalb reicht es oft nicht, nur an Glaubenssätzen zu arbeiten.


 

Das Ding mit den Glaubenssätzen & Affirmationen greift oft zu kurz.

Gerade im mentalen Training wird viel mit Glaubenssätzen gearbeitet. Auch ich tue das. Es genügt allerdings nicht, aus einem Satz einfach eine positive Affirmation zu machen und dann den Satz regelmäßig zu wiederholen.

Denn ein Satz verändert nichts nachhaltig, wenn wir nicht verstehen, was darunter liegt. Und wenn ich einen Satz wiederhole, den ich mir selbst gar nicht glaube, wie soll das dann funktionieren?

 

Mein innerer Satz war lange: „Sei lieber still.“

Und erst als ich verstanden habe, warum es ihn gibt, konnte ich beginnen, anders damit umzugehen. Vorher war dieser Anteil schlicht überdeckt vom Funktionieren.


 

Vielleicht geht es gar nicht darum, alles zu heilen!

Ein Elefant - von Anita Geißler symbolisiert ihr Krafttier

Erwachsensein bedeutet nicht, alles perfekt zu machen.  

Mittlerweile glaube ich, dass es darum geht zu verstehen, welcher Teil in uns reagiert.

 

Die Frau von heute. Oder ein jüngerer Teil, der Schutz sucht.

Das innere Kind loszuwerden, wäre falsch. Ganz im Gegenteil, es geht darum, es nicht mehr alleine zu lassen.

 

In dem Moment, in dem wir verstehen, woher unsere Reaktionen kommen, entsteht etwas, das viele Frauen kaum kennen: innere Entlastung.


Und das, was ich so genial finde, Schritt für Schritt entsteht Wahlfreiheit.



Alles Liebe, Anita



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